Seminario flamenco & improvisación

Seminario flamenco & improvisación

04.-08.07.2018

Seminar Flamenco & Improvisation¨

4. - 8. Juli 2018, Zürich

 

‚Als du den Hund-Stier gespielt hast war das für mich so schwierig, dass ich für einen Moment nicht mehr wusste, wie ich reagieren soll.‘ Sagt Leonor Leal zu Juan Carlos Lérida im Podiumsgespräch nach der gemeinsamen Aufführung „ flamenco contemporáneo: Improvisation auf der Bühne“. Der Task des Abends: eine Stunde Abendprogramm vor Publikum mit reiner Improvisation bestreiten. Der Anfang und der Schluss waren vorausbestimmt, der Rest des Programms entstand im Moment der Begegnung. Ein einmaliger Abend, der nur für dieses Publikum in diesem Steingewölbe des Theater Stadelhofens Zürich für diesen einzigartigen Anlass zu sehen war. Die Aufführung von Leonor Leal und Juan Carlos Lérida war der Auftakt zum Seminar Flamenco & Improvisation, welches vom 4. bis 8. Juli drei Workshops, zwei Aufführungen und eine Podiumsdiskussion umfasste.

Die Idee ein Seminar mit vorliegendem Schwerpunkt zu organisieren entwickelte ich, Ladina Bucher, über mehrere Jahre. Alles begann an der Universität Bern in der Lehrveranstaltung zu Improvisation im zeitgenössischen Tanz. Flamenco und Tango argentino galten hier als Paradebeispiele für improvisierten Bühnentanz. Als Flamencotänzerin irritierte mich die Ansicht der Kommilitonen. Selber kannte ich den Flamenco als stark choreografierten Tanz. Wie kann es sein, dass Flamenco nach aussen so impulsiv und frei wirkt, im Innern jedoch einem komplexen Regelkontext unterliegt, welcher den meisten Tanzschaffenden Angst vor der Improvisation macht? Aus den Anregungen aus dem Seminar wurde mein eigener Improvisations-Unterricht „FTi Flamenco-Tanz-improvisation“, ein experimenteller Kurs der bereits Anfänger an die Improvisation im Flamenco heranführt und der dadurch die Grenzen und Möglichkeiten von Improvisation im Flamencotanz erkundet. Als Einzelgängerin auf diesem Arbeitsgebiet entstand der Wunsch, sich mit anderen Flamencoschaffenden zu verbinden, die sich ebenfalls mit der Improvisation im Flamenco beschäftigen. Juan Carlos Lérida mit seinem Kursformat „Improvisación desde el flamenco. Flamenco empírico Method“ war schnell gewählt. Im vergangenen Jahr kam Leonor Leal als zweite Gastdozentin dazu. Sie integriert Improvisation in ihren Unterricht auch wenn sie für choreografische Kurse angestellt wird. Choreografien lassen sich laut Leal besser verkaufen, Improvisation wird als Kursformat selten programmiert. Ihr Kurs „improvisación rítmica en differentes palos„ der alleine auf Improvisation fokussiert war für sie neu. 

Am Freitag Abend kamen weitere Künstler des Seminars dazu: Elena Vicini, Carmen Fernandez und Ulrich Gottwald. Sie ergänzten das Kursangebot mit einem Workshop zu „Improvisation en los estilos festeros“, welcher Gesangs-, Gitarren- und Tanzschüler parallel auf das gemeinsame Zusammenspiel an einer fin de fiesta vorbereitete. Der erfüllende Augenblick des Zusammenkommens von Cante, Baile y Toque in der letzten gemeinsamen Unterrichtsstunde zählt zu einem der schönsten Momente des Seminars: Gesangsschüler sangen für die Tanzschüler und wurden von den Gitarrenschülern begleitet. Die feinfühlige Kommunikation von Gesang, Tanz und Gitarre zeigten die drei Dozenten am Samstag Abend im Theater. Das Trio präsentierte ihre Produktion Flamenco3, welche zuletzt vor zehn Jahren auf dem Pfefferberg in Berlin programmiert war. Das Projekt folgt einer vorgegebenen Abfolge von Palos, unterliegt jedoch in der Umsetzung der Palos ganz der Improvisation und der Kommunikation im Moment der Begegnung. Durch die Ergänzung der Lichtinszenierung von Thomas Küng entstanden sinnlich-poetische, virtuos starke und zerbrechlich sensible Momente. „Diese Siguiriyas war stark, unglaublich kräftig und man war ganz in diesem Schmerz, diesem Compás, dieser Einheit gefesselt und absolut mit dabei“ kommentierte eine Kursteilnehmerin in der Pause.

Die Abschlussfeier im Kulturlokal MIMOS führte Künstler, Kursteilnehmer und Publikum zu einer gemütlichen Gesprächsrunde zusammen, in der unter der Moderation von Susanne Zellinger die Kernfragen des Seminars nochmals thematisiert wurden „Warum ist Improvisation im Flamenco wichtig?“. Die Diskussion zeigte, dass die Definitionen und der Umgang mit Improvisation und Flamenco so vielseitig sind, wie es unterschiedliche Persönlichkeiten gibt. Lérida erläuterte in einem extra für diese Diskussion verfassten Text seine drei Ansätze von Improvisation: Improvisation im Flamenco, Improvisation aus dem Flamenco heraus und Improvisation mit dem Flamenco. Vicini beschrieb die Unsicherheiten, die Menschen mit sich bringen, die nicht mit dieser Kunst aufgewachsen sind und die Ängste die eine Improvisation im traditionellen Gefüge auslösen können und Leal ergänzte, dass ihr Umgang mit Improvisation von einer Kritik an der Vermittlung von Flamenco ausgeht. 

Als Abschluss ein Zitat von Juan Carlos Lérida: „Wenn sie uns wieder einladen würden für einen solchen spielerischen Abend würde ich es genau gleich machen wollen. Dieses Publikum ist es, das es sieht. Kein anderes Publikum. Diese Improvisation existiert nur in diesem Moment, sie ist nur mit diesen Menschen erlebt und für diese Menschen entstanden.“ Im Sinne der Einmaligkeit des Erlebnisses möchte ich allen KünstlerInnen, TeilnehmerInnen und HelferInnen für ihre Unterstützung danken. Ihr Mitwirken hat Momente der intensiven Auseinandersetzung mit Improvisation im Flamenco ermöglicht. Die vielseitigen Bestärkungen zu der Wiederholung des Seminars werde ich mir zu Herzen nehmen.

 

Ladina Bucher

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